Ungarn zwischen Puszta und Pampa

MITTWOCH, 28. September 2022

Beginn: 19 Uhr

Einlass/ Gastronomie Herdsache: ab 18 Uhr 

Ort: vierzigerhof, Rudolfstraße 11, 3550 Langenlois

Eintritt: € 12,-- (AK) bzw. 10,-- (VVK)

Infos zur Veranstaltung: www.dum.at

Kartenbestellungen: 0664 / 4327973

 

Lesung: Gábor Fónyad liest aus „Als Jesus in die Puszta kam“ (Elster & Salis, 2021)

Film: „Hukkle – das Dorf“ (2002) von György Pálfi

ALS JESUS IN DIE PUSZTA KAM

 

Ludwig, der Antiheld in Gábor Fónyads Roman „Als Jesus in die Puszta kam“, ist weder besonders religiös noch ein Weltverbesserer und schon gar kein Messias. Trotzdem rutscht er immer tiefer in eine scheinbar ausweglose Situation als der neue Heilsbringer. Denn inmitten von Fake News und Verschwörungstheorien weiß auch er plötzlich nicht mehr, was noch wahr und was fake ist. Fónyads Roman zeigt den schmalen Grat zwischen Wahrheit und Wahn, Glaube und Fanatismus, romantischer Liebe und Mitläufertum. Und er hinterfragt eine rund um die Uhr von Medien dominierte Gesellschaft mit leisem Sarkasmus und präziser Beobachtung.

Der junge und antriebslose Spielwarenverkäufer Ludwig wird in Wien aus seinem eintönigen Leben gerissen, als er von einer kleinen Gruppe Ungarn als der wiedergekehrte Messias auserwählt wird. Als Beweis dafür dienen Ludwigs Narben an den Händen und seine ungarische Mutter – denn für die Ungarn ist klar: Jesus war einer von ihnen! Ludwig wiederum weiß nur wenig über seine Herkunft und stolpert in ein Wild-West-Abenteuer mitten in der ungarischen Puszta. Ausgerechnet die Pfarrerstochter, die ihm den Kopf verdreht hat, öffnet ihm die Augen über den Ernst der Lage, und er merkt viel zu spät, dass er bereits tief im Schlamassel sitzt.

Nicht zufällig findet der Höhepunkt des Romans in Ungarn statt – und doch könnte er überall spielen. Gespickt mit Anspielungen auf die rasante Zunahme von Verschwörungstheorien weltweit hat die Realität es dennoch geschafft, ihn und sein Werk nicht nur einmal einzuholen.

 

„Gábor Fónyad legt mit seinem neuen Buch eines der originellsten Bücher der letzten Monate vor, ein Text voller Witz, in dem viel politische Brisanz steckt.“

(Katja Gasser, ORF, ZiB)

GÁBOR FÓNYAD

1983 in Wien geboren, wuchs zweisprachig in einer aus Ungarn stammenden Musiker- und Theologenfamilie auf. Seine Begeisterung für alles, was mit Sprache zu tun hat, schlug sich in seinen Studien der Germanistik und Finno-Ugristik nieder und zeigt sich bei seiner Unterrichtstätigkeit an einem Gymnasium in Niederösterreich sowie an der Universität Wien. 2015 erschien sein erster Roman „Zuerst der Tee“, mit dem er 2017 beim Internationalen Buchfestival in Budapest als Österreichischer First Novellist vertreten war. Es folgten zahlreiche Essays und Zeitungsartikel – und nun sein zweiter Roman.

GÁBOR FÓNYAD © Christoph Slamenik
GÁBOR FÓNYAD © Christoph Slamenik

 HUKKLE – DAS DORF

(Ungarn 2002, 75 min, Regie: György Pálfi)

 

In einem ungarischen Dorf setzt sich ein von Schluckauf geplagter alter Mann mit einer Kanne Milch vor sein Haus. Er beobachtet den täglichen Dorfalltag. Ein junger Mann lenkt einen Pferdewagen voller Milchkannen an ihm vorbei. Normalerweise würde der junge Mann die Milchkannen säubern, doch er fühlt sich durch ein Mädchen, das in der Sonne sitzt, gestört. Eine Dreschmaschine arbeitet. Eine Katze wird vergiftet und stirbt. Eine alte Frau pflügt ihr Feld und tötet dabei einen Maulwurf, den sie ihrem Hund gibt. Ein Bauer führt seinen Eber zu einer Sau. Die beiden Besitzer schauen der Kopulation erfreut zu. Die Männer des Dorfes versuchen die Zeit totzuschlagen. Der alte Mann hat weiterhin Schluckauf.

Das Dorf scheint idyllisch zu sein, doch es ereignen sich seltsame Dinge. Frauen handeln mit Flaschen, die eine unbekannte Flüssigkeit enthalten. Dann und wann stirbt ein Bewohner. Das ganze Dorf kommt zusammen und tröstet die Witwe. Alles erscheint harmlos, und das Leben geht nach dem Begräbnis weiter seinen Gang. Als ein Fischer verschwindet, ordnet der Polizeichef des Dorfes eine Untersuchung an, doch nichts geschieht. Immer wieder verschwinden Männer aus dem Dorf. Am Ende des Films findet eine Hochzeit statt, bei der einige Mädchen eine alte Volksweise singen, welches das Geheimnis des Dorfes offenlegt. Mit Hilfe einer Giftmischung bringen die Frauen nach und nach die Männer des Dorfes um.

 

„Ohne eine einzige Dialogzeile verdichtet sich der Film zu einer Schule des Sehens und Hörens, die die Schönheit des Unscheinbaren begreiflich macht. Ein ebenso innovativer wie unterhaltsamer Erstlingsfilm, der an die reichen Traditionen des Filmlands Ungarn anknüpft.“

(Lexikon des internationalen Films)

 

Filmtrailer: https://www.moviepilot.de/movies/hukkle-das-dorf/trailer


Einst ein traditionelles Bauernhaus, heute mehr als nur ein Hotel

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